"Der Regen wäscht die Module von selbst sauber!" – Diesen Satz liest man häufig in Fachforen oder hört man von Installateuren. Aber stimmt das wirklich? Die klare Antwort lautet: Jain. Abhängig vom Standort Ihrer Photovoltaik-Anlage kann der Selbstreinigungseffekt durch Niederschlag massiv überschätzt werden.
Stellen Sie sich vor, Sie parken Ihr Auto für sechs Monate im Freien, spritzen es hin und wieder nur mit dem Gartenschlauch ab, benutzen aber nie einen Schwamm oder Reinigungsmittel. Genau: Ein Schmutzschleier bleibt hartnäckig haften. Auf Ihren Solarmodulen passiert strukturell genau dasselbe.
Feinster Staub, harzige Pollen, Abgase oder Vogelkot backen durch die starke Hitze im Sommer und die morgendliche Feuchtigkeit (Tau) regelrecht auf dem Sicherheitsglas der Panels fest. Dieser Belag blockiert das Sonnenlicht und mindert schleichend den Ertrag. Ein heftiger Regenschauer kann losen Staub abtragen, kapitulieren muss das Regenwasser jedoch vor:
Der Selbstreinigungseffekt greift erst richtig ab einer Dachneigung von über 15° bis 20° Grad. Besitzen Sie eine Anlage auf einem Flachdach, das auf nur 10° Grad aufgeständert ist, bleibt das Schmutzwasser auf dem Modul stehen und lagert sich an der unteren Glaskante ab. Hier ist eine Reinigung zwingend öfter nötig!
Die entscheidende Metrik für das Reinigungsintervall ist der Standort Ihres Hauses oder Betriebs. Grundsätzlich unterteilen Experten Solaranlagen in drei verschiedene Belastungskategorien:
Standortprofil: Freistehendes Einfamilienhaus im reinen Wohngebiet, fernab von Wäldern, Industrie oder starken Verkehrsadern. Die Dachneigung beträgt 30° Grad oder mehr.
Fazit: Hier erledigt der Regen einen guten Job. Eine professionelle Sichtprüfung und Reinigung reicht hier oft alle drei bis fünf Jahre völlig aus, um die Rahmenkanten (Moos/Flechten) freizumachen.
Standortprofil: Häuser an verkehrsstarken Straßen, Einflugschneisen, mit Kaminen in direkter Nachbarschaft oder großen Bäumen (Laub/Pollen/Vogelstaub) sehr nah am Dach. Auch Flachdach-Anlagen (Ost-West-Ausrichtung, ca. 10-15° Grad) fallen oft in diese Kategorie.
Fazit: Ruß und grober Staub brennen sich hier schneller ein. Kontrollieren Sie im Frühjahr einmal pro Jahr den Ertrag. Bemerken Sie einen Leistungsabfall im Sommer (der laut Wechselrichter-App unerklärlich ist), sollte gereinigt werden. Zwei Jahre ist ein gesundes Mittel.
Standortprofil: Landwirtschaftliche Gebäude (Ställe mit hoher Ammoniakbelastung, Getreidesilos), direkter Industrie-Einfluss, Autobahn-Nähe oder sehr staubige Böden (Sand, Tagebau).
Fazit: Bei diesen Anlagen bilden sich nach wenigen Monaten dicke Fettschichten oder massive Staubablagerungen auf den Modulen. Die Ertragsausfälle können hier schnell 15% bis 20% pro Jahr betragen. Wer hier nicht mehrmals jährlich reinigt, verliert bares Geld!
Das Vernachlässigen einer stark verschmutzten Anlage endet selten gut. Neben den schmerzhaften Verlusten bei der Einspeisevergütung gefährden Sie die Hardware selbst.
Das größte Risiko sind sogenannte "Hotspots". Wenn nur ein winziger Teil der Solarzelle permanent verschattet ist (z.B. durch einen dicken Fleck Vogelkot), muss dieser Bereich den weiterhin fließenden Strom der umliegenden, sauberen Zellen abfangen. Die verschmutzte Zelle verwandelt sich von einem "Stromleiter" in einen elektrischen Widerstand und erhitzt sich massiv. Dies kann mittelfristig zu Einbrennungen im Material, Glasbruch oder sogar zur punktuellen Schmelze der Zelle (Brandgefahr!) führen.
Achten Sie deshalb auf die Kurve in der App Ihres Wechselrichters! Liefert die Anlage an einem perfekten Hochsommertag weniger Maximalertrag als im Juli des Vorjahres? Dann werfen Sie (z.B. per Drohne oder mit dem Fernglas) einen Blick auf die untere Kante der PV-Module. Wenn sich dort ein grauer, dichter Streifen gebildet hat, wird es Zeit für Experten.
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